Rassistische Zustände in Merseburg West

In Merseburg West machen Nazis und Bürger_innen gegen eine geplante Flüchtlingsnotunterkunft mobil. Hierfür wurden bei einer nächtlichen Aktion Zettel in Briefkästen verteilt und öffentlich ausgehängt, auf denen zu Protesten aufgerufen wird. Es werden völlig haltlose Szenarien von steigender Kriminalität und Gewalt gegen Ältere und Kinder beschworen, um Ängste zu schüren und rassistische Hetze zu legitimieren.

Merseburg-West ist ein Viertel, in dem größtenteils rassistische Grundstimmung herrscht. Dass es eine relativ sozialschwache Gegend ist, schürt das Feuer nur an. Die Leute haben Angst um das wenige Geld, was ihnen zur Verfügung steht und nehmen vereinfachte Erklärungen für ihre prekäre Situation dankend an. Es ist nun mal einfacher Schuldige zu suchen, anstatt das eigentliche Problem zu erkennen und zu bekämpfen.

Seitdem bekannt gegeben wurde, dass im Merseburger Westen eine Notunterkunft für Flüchtlinge errichtet werden soll, kommen rassistische und nazistische Gestalten wieder vermehrt in der Stadt zum Vorschein. Es gab bereits mehrere Aktionen gegen die ehemalige Gagarinschule. Bspw. wurden Scheiben eingeschlagen, Facebookseiten („Wir wollen keine Asylanten in Merseburg” u. „Gegen Asyl Heim in Merseburg West”) erstellt, erwähnter Handzettel wurde verteilt und am 19.09. versammelten sich circa 60 Nazis und rassistische Bürger_innen in der Nähe der Gagarinschule, also dort, wo die Unterkunft im Notfall errichtet werden soll. Ebenfalls anwesend war der NPD-Bürgermeisterkandidat Volkmar Neugebauer. Der Mob musste sich nach kurzer Zeit jedoch wieder auf Drängen der Polizei auflösen. Der Handzettel, welcher unter dem Beitrag zu sehen ist, benutzt die übliche, schwache Pseudo-Argumentation, wie man sie bereits zuhauf aus anderen Sädten und dem Internet kennt. Es wird versucht Ängste zu schüren und falsche Informationen zu verbreiten, wie z.B., dass es ein Asylbewerberheim werden soll oder dass die Kriminalitätsrate in Orten mit genannten Einrichtungen, allgemein in Gegenden, in denen sich Flüchtlinge aufhalten erheblich zunimmt.

Dabei handelt es sich bei der geplanten Notunterkunft nicht um ein festes Heim für Asylbewerber, wie die Mitteldeutsche Zeitung auf Nachfrage herausfand, sondern um eine kurzzeitige Bleibe, jedoch nur, wenn die Flüchtlingszahlen ansteigen sollten.

Es gilt den weiteren Verlauf zu beobachten. Auf Facebook gibt es bereits öffentliche Diskussionen, bei denen gefordert wird, dass eine Demo oder eine erneute „Bürgerversammlung“ abgehalten wird. Der Mob wird keine Ruhe geben und dass es keine Berührungsängste zu organisierten Nazis gibt, wurde bereits bewiesen.

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